Ganzjahresreifen im Vorteil bei RDKS

Jedes Jahr stellen sich diese Fragen gleich zweimal:

  • Wann lohnen sich Ganzjahresreifen?
  • Kann man einen Reifentest auch für andere Reifengrößen nehmen?
  • Was ist RDKS? Was muss ich beim Reifenwechsel beachten?

Wann lohnen sich Ganzjahresreifen?

Aus wirtschaftlicher Sicht fast immer, aus technischer Sicht muss klar sein: Ich muss mit Einschränkungen im Fahrverhalten rechnen.

Besonders wirtschaftlich können Ganzjahresreifen bei Fahrzeugen mit RDKS Sensoren sein.

Leider wird hier immernoch mit unterschiedlichen Maßstäben getestet:

Variante Eins: Der beste Ganzjahresreifen ist Maßstab für den Test, somit bekommt man den Eindruck dass einige Reifen ziemlich gut sind.
Autobild Ganzjahresreifentests 2016

Variante Zwei: Ganzjahresreifen müssen sich gegen die besten Sommer- und die besten Winterreifen behaupten. Man bekommt den Eindruck das alle Ganzjahresreifen generell schlecht sind.
ADAC Ganzjahresreifentest 2016

Es muss jedem klar sein, dass Ganzjahresreifen aus technischer Sicht nicht mit einem guten Sommer- bzw. Winterreifen mithalten können.
Aus wirtschaftlicher Sicht können Sie enorme Vorteile brinen- gerade bei Fahrzeugen mit Sensoren an jeder Felge.

Nicht ganz ernst gemeint:
Ein guter Reifen hält 55.000km.
Davon wird Motordrehmoment, Gewicht, Fahrstil und Antriebsart abgezogen.
Beispiel:
Für Fahrzeuge deren Antriebsachse die Vorderachse ist wird pauschal 15.000km abgezogen. Die ersten 150Nm Motordrehmoment sind frei, danach ziehen wir 5000km je angefangene 50Nm ab.
55.000km – 7*5.000km -15.000km =
5.000km Laufleistung der Räder an der Vorderachse und 20.000km an der Hinterachse.

Ein V8 Diesel mit 500Nm an der Vorderachse kann also jede Woche Reifen wechseln.

Spass bei Seite, Grundlage für eine vernünftige Rechnung ist die Tatsache, wie lange die eigenen Reifen in etwa halten und wieviele Kilometer pro Jahr ich fahre.

Faustregel:
Wenn ich nicht häufiger als alle 3 Jahre neue Reifen brauche lohnen sich Ganzjahresreifen.

Warum?
Saisonale Kosten: 2x pro Jahr Räderwechsel inkl. Einlagern
Altersgrenze: Weichmacher sind nach 4 Jahren weg, die Eigenschaften werden jetzt spürbar jedes Jahr schlechter.
Profilgrenze: nicht erreicht, Reifen müssen trotzdem getauscht werden: Geld verschenkt.
doppelte Anzahl Reifendrucksensoren – müssen spätestens getauscht werden wenn Batterien alle: ca. nach 6-8 Jahren also bei jedem 2. Reifenwechsel nochmal Zusatzkosten.

Kann man den Reifentest auch für andere Reifengrößen nehmen?

Prinzipiell kann ein Reifentest auch für Reifen +/- 10mm Breite ohne nennenswerte Einschränkungen genutzt werden.
Beispiel:
Reifentest: 205/55 R 16
auch möglich: 195 & 215
nicht möglich: 205/65 R 15(!)

Lässt sich kein passender Reifentest für die eigene Größe finden kann man in zurückliegenden Jahren suchen – Reifenmodelle sind üblicherweise 3-4 Jahre am Markt und werden auch nach Produktionsstopp noch abverkauft.
Neureifen können auch noch Jahre später als solche verkauft werden, hier gibt es keine harten Grenzen.
Aufgrund der Verbesserung der Herstellungsprozesse sollte man aber keine Reifen älter als 2 Jahre akzeptieren – bitte bei Auftragsvergabe schon vereinbaren wie alt die Reifen sein sollen!

Was ist RDKS?

Reifendruckkontrollsysteme sind mittlerweile vorgeschrieben* und es gibt zwei Varianten, die die gesetzlichen Bestimmungen erfüllen können.
Funktion: Erkennen von Druckverlust am Reifen.

indirekt messende Systeme: Das Fahrzeug nutzt die Raddrehzahlsensoren, die sowieso schon für Fahrassistenzsysteme wie ABS, ESP usw. vorhanden sind. Hier muss nach dem Radwechsel nur initialisiert werden, das kann man häufig auch selbst tun – jedenfalls ist fast immer kein Spezialwerkzeug erforderlich.
Nachteil: schleichender Druckverlust an allen Rädern wird meist viel zu spät erkannt.

direkt messende Systeme: Das Fahrzeug benötigt neben ein bis zwei Empfänger auch noch je einen Sender pro Rad. Gemessen wird auf der Innenseite des Ventils.
Neue Sensoren müssen angelernt werden, das geht meist nur in der Werkstatt.
Einmal mit dem Fahrzeug gekoppelte Sensoren nach dem Radwechsel initialisiert werden, das geht meist wieder ohne Spezialwerkzeug.
Nachteil: teuer

Für Fahrzeuge, bei denen RDKS vorgeschrieben ist, darf es nicht deaktiviert werden.
Ich brauche also an jedem Rad einen Sensor – im Winter wie im Sommer!
So ein Sensor kostet um 40-70€ und zum anbringen der Sensoren müssen die Reifen von der Felge ab- und wieder anmontiert werden.
Das kann schon mal ordentlich ins Geld gehen.

ADAC Übersicht Fahrzeuge mit RDKS – Varianten

Für den Fahrzeugkauf (fabrikneu) kommt also noch ein wichtiger Punkt in der Sonderausstattungsliste hinzu, wenn man viel unterwegs ist:
Ein Satz Winterkompletträder – die sind meist günstiger als die Angebote beim Händler vor Ort.

Wer schon ein Fahrzeug hat, aber noch keinen passenden Winterradsatz steht vor der Wahl:

  • Komplettradsatz mit Sensoren,
  • Sommerreifen von den Felgen runter und Winterreifen drauf (jede Saison aufs neue)
  • alte Winterfelgen mit Sensoren nachrüsten – ggf. auch mit neuen Winterreifen.
  • Ein einziger Radsatz mit Ganzjahresreifen

Der Komplettradsatz ist die entspannteste Variante, es wird zum Saisonwechsel nur umgesteckt und ggf. eingelagert.
Hier entstehen nur Kosten für den Radwechsel + ggf. die Einlagerung der Räder.

Die Reifen auf den vorhandenen Felgen gegen Winterreifen zu tauschen kostet zusätzlich Montagekosten und einmalig noch die passenden Sensoren zum Fahrzeug. Zusätzlich besteht bei jeder Reifenmontage noch das Risiko, dass die Sensoren beschädigt werden.
Klar, das ist ein Montagefehler und muss die Werkstatt zahlen – denkt der Kunde.
Klar, der war vorher schon kaputt außerdem gehen die ja ständig kaputt und für den mikrigen Montagelohn kann ich eh keine Sensoren bezahlen also muss das der Kunde zahlen – denkt die Werkstatt.
Fakt: Mit entsprechender Technik, meint Montagemaschine und richtige Handgriffe beim Monteuer geht sehr selten einer kaputt.
Fakt auch: Spottgünstige Werkstätten haben selten das Geld für moderne Montagetechnik, gutes und auch noch qualifiziertes Personal.

alte Winterräder nachrüsten:
Klappt nur wenn überhaupt die Felgen ans Fahrzeug passen und mit RDKS Sensoren nachgerüstet werden können. Belastet den Geldbeutel mit Montagekosten weil in jedem Fall die Reifen von der Felge runter müssen um die Sensoren einzubauen. Ggf. müssen hier gleich noch neue Reifen drauf.

ein einziger Radsatz mit Ganzjahresreifen und Sensoren:
keine saisonalen Wechsel und Einlagerungskosten, alle 3-4 Jahre neue Reifen und alle 6-8 Jahre neue Sensoren.
Dran denken wenn Reifen getauscht werden müssen ob sich ein Sensortausch lohnt – den Batteriestand kann man auslesen!

 

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*RDKS ist Pflicht bei Fahrzeugen mit Erstzulassung ab 31.10.2014 oder Typgenehmigung ab 31.10.2012 für Fahrzeugklasse M1 bzw. M1G – es gab die Möglichkeit Ausnahmegenemigungen zu beantragen.